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Partisanenlazarett Franja

Der 2. Weltkrieg war für die Menschheit eine der schwierigsten Feuerproben. Wie alle anderen freiheitsliebenden Nationen haben auch die Slowenen den Kampf gegen den Faschismus und Nazismus organisiert. Dabei waren geheime Lazarette, die man in schwer zugänglichen Wäldern, Schluchten und unterirdischen Höhlen errichtete, eine Besonderheit der slowenischen Widerstandsbewegung. Unter Umständen, die für den heutigen Menschen kaum vorstellbar sind, konnte auf diese Weise manches Leben gerettet werden.

Nach der Kapitulation Italiens im Herbst 1943 begann Dr. Viktor Volčjak auf den Vorschlag des Einheimischen Janez Peternelj zusammen mit einer Partisanengruppe mit dem Bau des Lazaretts in der schwer zugänglichen Schlucht Pasice in Dolenji Novaki im Berggebiet von Cerkno. Mit eifriger Hilfe der Einheimischen dauerte die ständige Bautätigkeit bis Kriegsende, als sich 14 Holzbaracken und einige Nebenanlagen in der Schluchtsohle am Bach Čerinščica zusammendrängten. Das Lazarett wurde schon während des Krieges nach der Partisanenärztin Franja Bojc Bidovec benannt, von der es auch die meiste Zeit geleitet wurde. In der Zentralabteilung des heute als Partisanenlazarett Franja bekannten Lazaretts wurden 578 Schwerverwundete und in dislozierten Abteilungen noch über 300 Leichtverwundete betreut. Darunter waren außer Slowenen auch Angehörige verschiedener Nationen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Sowjetunion, Italiener, Polen, Franzosen sowie zwei Österreicher und zwei Amerikaner.

Das Partisanenlazarett Franja wurde nach Kriegsende Symbol der Partisanenbewegung und ihres außerordentlich verzweigten und gut organisierten Gesundheitswesens. Das Denkmal wurde nach einer Flutkatastrophe, die es im September 2007 zerstört hatte, fast vollständig wiederhergestellt. Aufgrund von schon früher erstellten Plänen und Unterlagen wurden Baracken und Nebenanlagen rekonstruiert, Repliken von Originalgegenständen angefertigt und Ersatzgegenstände erworben. Geleitet wurde man dabei von dem Wunsch, die Aussagekraft des Denkmals und dessen symbolischen Wert für die Öffentlichkeit in möglichst hohem Ausmaß zu bewahren.

Das Partisanenlazarett Franja ist ein Kulturdenkmal von Staatsbedeutung, aufgenommen in die UNESCO-Tentativliste. Das Partisanenlazarett Franja erhielt im Jahre 2015 erneut das Europäische Kulturerbe-Siegel, und zwar wegen seines symbolischen Wertes und der Rolle, welches es in der europäischen Geschichte und Kultur einnimmt. Wie es in der Beurteilung angeführt ist, ist das Partisanenlazarett Franja ein einmaliges Beispiel für medizinische Versorgung in außerordentlichen Verhältnissen und ein edles Symbol für Humanität, Solidarität und Kameradschaft zwischen Einheimischen, dem Lazarettpersonal und Verwundeten, die gegen den Faschismus und Nazismus im 2. Weltkrieg kämpften.

Die förmliche Initiative der EU für ein europäisches Kulturerbe-Siegel wurde erstmals 2006 von einige Mitgliedstaaten in Form einer zwischenstaatlichen Initiative vorgeschlagen und wurde dann im Jahre 2011 in eine rechtliche Maßnahme der EU umgeformt. Dabei wird vor allem auf die symbolische Bedeutung der Kulturstätte für Europa, seine Geschichte und Kultur und/oder deren Einfluss bei der Entstehung der Europäischen Union Wert gelegt. Dies unterscheidet das europäische Siegel von den Initiativen der UNESCO und des Europarates im Bereich Kulturerbe.

Die Kulturstätten können durch das Siegel von einer Aufwertung ihres Kulturerbes nur profitieren, eine breitere Öffentlichkeit erreichen, insbesondere junge Leute, und sollen dabei hochwertige Informationen mittels pädagogischer und kultureller Programme gewährleisten, welche die europäische Dimension hervorheben. Ziel dieser Maßnahme ist das Zugehörigkeitsgefühl der europäischen Bürger, insbesondere der jungen Leute zur Union aufgrund gemeinsamer Geschichte, gemeinsamen Kulturerbes und jener Werte zu stärken, auf denen die EU beruht, die Akzeptierung der nationalen und regionalen Unterschiede zu fördern und den interkulturellen Dialog anzuregen.

Hier finden Sie die Präsentationen zu allen Kulturstätten, die bisher das Europäische Kulturerbe-Siegel erhielten.


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Verwundetenzimmer
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Ein Detail aus der Küche
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Küche

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Wäscherei und Versehrtenheim
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Verwundetenzimmer in Speiseraum
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Röntgenbaracke, Operationsbaracke in Isolierstation

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Vor dem Speiseraum
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Wasserkraftwerk
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Personalbaracke, Wäscherei und Versehrtenheim

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Das Partisanenlazarett Franja erwarb 2007 das Europäische Kulturerbe-Siegel.
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Europäisches Kulturerbe - Siegel, 2015